Fotokunst der besonderen Art

 

Fotografie hat für mich den Stellenwert einer ganz besonderen Gattung der Kunst. Sie bildet nicht etwa nur das mit den Augen Sichtbare und Gesehene ab, sondern soll auf einem kleinen Ausschnitt der Realität den Betrachter völlig aus dem Zusammenhang gerissen das gezeigte Motiv losgelöst von dessen Umgebung in seiner besonderen Schönheit näher bringen. Hier entsteht die Fotokunst - Photo Art.

Das geschieht im Fall meiner Fotoarbeiten insbesondere dadurch, dass ich digital aufgenommene Fotografien mit den Möglichkeiten der modernen Technik in verschiedenen Bereichen mehr oder weniger stark bearbeite - Kontraste, Farbsättigung, Farbtonalität und Helligkeit. Entscheidend bleiben jedoch das Auge des Fotografen und die Entscheidung für ein gutes und harmonisches Motiv, da auch die moderne Technik aus einem eher ungeeigneten Motiv kein gutes Foto bzw. keine gute Perspektive hervorbringen kann. Das Auge desjenigen, der auf den Auslöser der Kamera drückt, bleibt nach wie vor der wichtigste Erfolgsfaktor jeglicher Fotoarbeit.

Die dargestellten Werke zeigen eine Auswahl der jüngsten Fotoarbeiten. Sowohl die Motive als auch die technische Bearbeitung der Arbeiten sind sehr unterschiedlich. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Es geht um die reine Ästhetik, die den Dingen in der Umgebung, in der wir leben, innewohnt und die wir oftmals übersehen und nicht wahrnehmen. 

Das zum Beispiel die Fassade des Porsche-Museums in Stuttgart-Zuffenhausen oder die der Allianz-Arena in München in bestimmten Bildausschnitten und mit leichter Kontrastierung und Farbveränderung aussehen kann wie abstrakte Gemälde der geometrischen oder konkreten Kunst ist neu. Das Eigentliche - ein reales Gebäude - ist verschwunden, aus dreidimensionalen Körpern entstanden auf den Fotos nur zweidimensionale Flächen. Mit diesem Phänomen, der Unkenntlichmachung des Gegenständlichen, zu experimentieren ist mein Anliegen.

Noch weiter geht die Serie "Greenlight" mit ihren psychedelischen unscharfen grünen und schwarzen Flächen. Was hier aussieht wie rein digital am Computer entworfene Motive ist vielmehr die mit einer besonderen Technik fotografierten Fassadendetails des Einkaufszentrums "KÖ8" in Köngen, aufgenommen bei Nacht und geringfügig nachkontrastiert. Insofern handelt es sich auch hierbei als zentrales Thema um Architekturfotografie, ohne als solche erkennbar zu sein. Es geht rein um die Herausforderung, die Ästhetik des Banalen in ihrer Schönheit darzustellen. 

Die Suche eines Fotografen nach dem nächsten optimalen Motiv wird nie aufhören. Ich freue mich auf die zukünftige Inspiration und auf alle Fotografien, die darauf warten, zu entstehen.

Volker Scheerer